E.A.R.
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Paravicini 312 und M100A

Preise: 36000 und 66000 Mark
  
Bereich: HiFi High End
  
Rubrik: Test
  
Kategorie: Vorverstärker Endverstärker
  
Publikation: image hifi
  
Ausgabe: 40
  
Seite: 76

Autor dieses Artikels ist Dirk Sommer
verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes Image Verlags GmbH

Wie hatte der Verstärker-Genius das in der Bedienungsanleitung noch so schön formuliert? "The M100A is designed to emulate many of the best qualities of fine tube amplifiers." Und genau das schaffen nicht nur die Endstufen, sondern auch der zumindest in puncto Analog luxuriös ausgestattete Vorverstärker! 312 und M100A betören den Zuhörer, indem sie das Beste aus zwei Welten bieten. Nur kühl berechnende, detailversessene Musiksezierer seien vor so viel Wohlklang gewarnt.


Puh! Das hat gerade noch geklappt. Dabei soll gar nicht die Rede davon sein, dass der Vertrieb es nur dank beispiellosen Einsatzes - als privater Eilkurier auf der Strecke Huntingdon-Gröbenzell - geschafft hat, die Verstärker rechtzeitig herbeizuschaffen. Ich konnte den Test vielmehr knapp vor den ersten Frühsommertagen abschließen. Und das ist bei Class-A-Endstufen von nicht gerade untergeordneter Bedeutung. Zumal, wenn sie von Tim de Paravicini stammen. Denn der meint Class A, wenn er Class A sagt. Genau so konsequent ist er natürlich beim Thema Analog. Eine große Vorstufe ohne Phono-Eingang ist für ihn undenkbar.

Keine Angst! Obwohl die Verstärker im Retro-Design der Name des Röhren- und Übertrager-Spezialisten aus Huntingdon ziert, habe ich nicht in den Revieren des Kollegen Kraft gewildert: Hinter den zwölf Millimeter starken Aluminiumfrontplatten samt üppigem Zierrat verbirgt sich kein einziger Glaskolben. De Paravicini hat vielmehr bei der 312 und den M100A mit allen bisherigen Traditionen gebrochen und erstmals in Verstärkern unter eigener Flagge ausschließlich Halbleiter verwendet, ohne jedoch - so viel sei schon hier verraten - dabei seinen bisherigen Klangvorstellungen untreu zu werden. Für andere Firmen entwarf de Paravicini nach eigener Aussage aber schon seit der Verfügbarkeit der ersten kommerziellen Transistoren Schaltungen im Umfeld der verstärkenden Germanium- und Silizium-Plättchen. Dass er dabei wie bei seinen Röhren-Amps nie auf ausgetretenen Pfaden wandelte, dokumentierten beispielsweise die von Roland Kraft in image hifi 1/97 vorgestellten The Alchemist APD24A und APD25A.Man tut de Paravicini gewiss nicht Unrecht, wenn man die 312 sowie die M100A als logische Fortführung seiner damaligen Ansätze betrachtet. Allerdings kann er jetzt unter dem dPT-Logo völlig unbeeindruckt von Marketing-Überlegungen oder sonstigen Einschränkungen tun und lassen, was er will. Und dass er diese Freiheit hinlänglich genutzt und wohl auch genossen hat, macht ein Blick in die freizügig dargebotenen Schaltpläne oder in die Gehäuse schnell klar. Die Folge der de Paravicini'schen Konsequenz: Wer beispielsweise bei einer Vorstufe dieser Preisklasse Fernbedienbarkeit, aufwändige parallele und serielle Spannungsstabilisierungen sowie kürzeste Signalwege für unabdingbar hält, scheidet als potenzieller Käufer von vornherein aus. So ziert die Front der 312 statt eines Infrarot-Empfängers mit nachgeschalteten Mikroprozessoren und Motoren ein Zeiger, der über einen Seilzug mit der Achse des Lautstärkepotentiometers in Verbindung steht. Das erinnert an die Senderskalen seliger Dampfradios und verleiht der Vorstufe einen Touch heimeliger Nostalgie, dürfte Vertriebe und Händler gegenüber komfortbewussten Kunden jedoch in arge Argumentationsnöte stürzen.Die Eingangswahl per Relais sowie die lange Potiachse zeigen, dass auch de Paravicini den Musikinformationen keine unnötig langen Wege zumuten will. Und in der Line-Stufe kommt er mit nur drei Transistoren pro Kanal aus. Der Phonoverstärker ist ähnlich puristisch aufgebaut und verfügt über dieselbe Zahl aktiver Bauelemente. Die Entzerrung geschieht übrigens aktiv: Die Filter liegen in der Gegenkopplung. Diese bezieht ihr Signal aber nicht wie üblich von der letzten Verstärkerstufe, sondern von einer Spule auf der Primärseite des Übertragers, über den das linearisierte Phonosignal ausgekoppelt wird.

Dennoch scheue ich mich, der 312 kurze, möglichst verlustfreie Wege zu attestieren. Ein MC-Signal zum Beispiel hat zwischen Ein- und Ausgang vier Übertrager und ebenso viele Koppelkondensatoren - darunter zwei Elkos - zu überwinden. In der Line-Stufe sind es immerhin noch zwei Transformatoren sowie zwei Kapazitäten. Aber Tim de Paravicini hat seine Verstärker ja schon immer ein wenig anders konstruiert als der Rest der Welt ...

So verwundert es auch nicht weiter, dass das Netzteil der Vorstufe ohne jegliche Stabilisierung auskommt. Der Freund unkonventioneller Lösungen merkt dazu an, dass die von ihm eingesetzten Audioschaltungen gegen geringe Spannungsschwankungen nahezu immun seien. Zudem habe er eine Spule zwischen den Ausgang der Gleichrichterbrücke und die mehrstufige passive Filterung gesetzt. Die Drossel bewirke nämlich ebenfalls eine Art Stabilisierung, sorge für eine geringe Restwelligkeit und begrenze den durch die Dioden fließenden Spitzenstrom, was sowohl deren Lebensdauer erhöhe als auch die Wahrscheinlichkeit reduziere, dass der Netztrafo Geräusche von sich gebe. Röhrenprofi Kraft, den ich beim Studium des Schaltplans zu Rate gezogen habe, erklärt, dass man die Drossel in Fachkreisen als Swinging Choke bezeichne, lobt diese Netzteilvariante über den grünen Klee und beginnt eine mittlere Polemik gegen "harte" Stabilisierungen. Er wird wissen, warum.Auch der zweistufige Buffer samt Übertrager für den Tape-Ausgang, der Rückwirkungen einer angeschlossenen Bandmaschine auf den Klang der Vorstufe verhindert, findet die Billigung des Kollegen. Und der Phonozweig gefällt uns beiden, da er mit einer Vielzahl unterschiedlicher Systeme harmonieren dürfte. Zur Verstärkung der sensiblen Signale von Moving-Coil-Abtastern setzt de Paravicini - wie könnte es anders sein - auf einen Übertrager, und zwar den bewährten, in image hifi 5/2000 vorgestellten MC3. Durch Umstecken eines Jumpers auf der Hauptplatine kann der Vinyl-Fan zwischen Wicklungen mir vier, 15 und 40 Ohm wählen. Hier lautet die Empfehlung, zuerst den dem Innenwiderstand des Abtasters nächsten Wert auszuprobieren, dann aber auch mit den vermeintlich falschen Einstellungen zu experimentieren. Der Herr Baron ist eben das krasse Gegenteil eines sturen Dogmatikers.

Selbst wenn die XLR-Ein- und Ausgänge sowie das Vierfach-Potentiometer einen anderen Eindruck erwecken: Der Signalverarbeitung im Inneren des 312 geschieht ausschließlich unsymmetrisch - neudeutsch: single ended -, wobei alle Stufen im A-Betrieb werkeln. Der Ausgangsübertrager besitzt getrennte Sekundärwicklungen für die jeweils drei Cinch- und XLR-Buchsen, was gegenseitige Beeinträchtigungen ausschließen und damit die verlustfreie Ansteuerung von bis zu sechs Endstufen möglich machen soll. Auch die insgesamt neun Eingänge, darunter drei symmetrische, dokumentieren, dass der in puncto Schaltungstechnik durchaus wertkonservative Entwickler die Zeichen der Zeit und den Trend zu immer komplexeren HiFi-Systemen keinesfalls ignoriert.

Wie im Manual zur Vorstufe hält de Paravicini auch in dem der Endverstärker mit seiner Einschätzung landläufiger (Vor-)Urteile über Röhren und Transistoren nicht hinterm Berg und bescheinigt sich so ganz nebenbei "probably the leading authority on audio-band transformers" zu sein - was zwar nicht gerade der Tradition typisch britischen Understatements entspricht, faktisch aber so gut wie nicht zu widerlegen sein dürfte. Wie dem auch sei, wir widmen uns nun den Besonderheiten der Power-Amps. Deren wichtigste werden übrigens schon auf der Front der Monos genannt: A Class Single Ended Transformer Coupled Amplifier.

Dabei gehören zwei Begriffe fast untrennbar zusammen. Eine unsymmetrische Endstufe wird üblicherweise im reinen A-Betrieb arbeiten, und zwar mit den bekannten Vorteilen: Die Ausgangstransistoren werden nie ganz stromlos, es gibt keine Übernahmeverzerrungen, und da der Arbeitspunkt exakt in der Mitte des linearen Teils der Kennlinie liegt, treten gerade bei kleinen Signalen die geringstmöglichen Verzerrungen auf. Aber auch ein de Paravicini muss sich mit dem Nachteil der Class A herumschlagen: der geringen Effizienz dieser Betriebsart. Das tut er bei den M100A mit aller gebotenen Gründlichkeit. Zur Ableitung der Abwärme dient nicht nur die Ausgestaltung des vorderen Gehäuseteils als eine Art Kamin, in dem die Luft um die beiden Reihen von Endtransistoren frei zirkulieren kann, sondern auch die zentimeterdicken Seitenwände mit den aufgesetzten quadratischen Aluminiumprofilen, in denen der Kamineffekt ebenfalls wirksam wird. Es steht also eine enorme Kühlfläche zur Verfügung, die, wie eine kurze Berührung zeigt, auch wirklich benötigt wird und erfreulicherweise ganz ohne scharfe Kanten auskommt.

Bei einer Single-ended-Schaltung biete der Einsatz eines Ausgangsübertragers durchaus Vorteile, teilt der Entwickler der M100A ihren Besitzern mit. Das gelte allerdings nur, wenn der Konstrukteur in der Lage sei, passende Transformatoren von höchster Qualität herstellen zu lassen - woran im Fall de Paravicini jedoch spätestens nach der Lektüre des Manuals keine Zweifel mehr bestehen dürften. Das Schaltungsdesign der Monos sei prinzipiell recht einfach gehalten, beruhe es doch auf Ausgangmodulen, deren Größe sich einfach nur aus der gewünschten Leistung ergebe. Es kämen parallelgeschaltete MOS-Fets mit jeweils eigenen Ruhestromregelungen und Treibern zum Einsatz, was garantiere, dass sich die Transistoren selbst bei leicht variierenden Kennlinien die Verstärkungsarbeit gerecht teilten. Wie bei der Vorstufe gewinne man das Gegenkopplungssignal auch beim Endverstärker aus Wicklungen auf der Primärseite des Ausgangsübertragers, um die Stabilitätsprobleme im tieffrequenten Bereich zu vermeiden, die bei der Verwendung von Signalen von der Sekundärseite auftreten könnten. Da die Verstärkerschaltung schon von sich aus sehr linear arbeite, seien lediglich 15 Dezibel Feedback notwendig.Details, wie die bei einem Verstärker dieses Niveaus eigentlich inakzeptablen Lautsprecherterminals, zeigen, dass man auch in Huntingdon auf den Penny zu schauen scheint - oder sollten solche Nebensächlichkeiten de Paravicini schlicht nicht interessieren? Einen nicht unbeträchtlichen Anteil am ebensolchen Preis der Monos haben dagegen neben den opulenten Gehäusen sowie den großzügig dimensionierten Ausgangsübertragern die Choke-Netzteile, die Netzschwankungen und -verunreinigungen besonders wirkungsvoll unterdrücken sollen. Der ersten Spule folgt hier eine Kondensatorbank, eine zweite Induktivität sowie eine Vielzahl weiterer Elkos. Der enorme Aufwand - die mächtigen Drosseln sind um ein Mehrfaches teurer als eine Unmenge noch so schneller Elkos - garantiert, so de Paravicini, eine Restwelligkeit von nur noch 0,3 Millivolt sowie die Energiespeicherung von 200 Joule - Werte, die selbst mit Kondensatorbatterien vom doppelten Volumen einer M100A nicht zu erreichen seien. Aber auch die beeindruckendsten Daten sagen ja noch lange nichts über den Klang.

Lassen wir also die 312 sowie die Monos für sich sprechen, doch vorerst nicht gleichzeitig: Die Vorstufe versteht es ganz hervorragend, sich ins rechte Licht zu setzen - von der anheimelnden indirekten Beleuchtung einmal ganz abgesehen. Sofort nach dem Einschalten versprüht sie jede Menge Charme: Warme Klangfarben strahlen, schillern und funkeln. Kraftvoll sonore Bässe ergießen sich in den Raum, und vor dem Zuhörer tut sich - bei entsprechenden Scheiben - ein raumgreifendes, ungemein plastisches Panorama auf. Selbst scharfe Bläsersätze oder hart angeschlagenes Blech überschreiten nie die Grenze zur Aggressivität. Aber trotz dieser vornehmen Zurückhaltung gelingt es der 312 dank ihrer ungestümen Spielfreude mühelos, den Zuhörer völlig in den Bann der Musik zu ziehen. Da ist es plötzlich nicht mehr der Rede wert, dass sich Brinkmanns Prototype in den oberen Oktaven ein wenig stärker an die Wahrheit zu halten und einzelne Instrumente mit mehr - allerdings deutlich kälterer - Luft zu umhüllen scheint. Im Zusammenspiel mit den grundehrlichen, hoch auflösenden LumenWhite verspricht die Paravicini-Vorstufe schlicht den höheren und länger anhaltenden Musikgenuss. Nur wenn die zu tieferen Frequenzen hin etwas fülligeren Gordons den Schall wandeln, scheint Brinkmanns schlichte schwarze Schönheit die klügere Wahl.

Von de Paravacinis Empfehlungen ermutigt, suche ich nach der richtigen Abschlussimpedanz für das Koetsu Urushi mit seinen fünf Ohm Innenwiderstand. Und die liegt bei 15 Ohm: Hier verbindet sich ein enorm tragfähiges Bassfundament aufs Feinste mit quicklebendiger Dynamikentfaltung, luftiger Offenheit und einer großzügigen und doch sehr präzisen Raumdarstellung. Bei kleineren Besetzungen bleiben keine Wünsche offen, die Songs gehen direkt unter die Haut. Und selbst bei Großorchestralem bedarf es einer FM 122 mit ihrer ungemein filigranen Darstellung und der fast greifbaren Tiefenstaffelung, um die Grenzen des eingebauten Entzerrers zu erkennen. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, jemals eine derart überzeugende integrierte Phonostufe wie die des 312 gehört zu haben.


Auch bei den M100A geht es erst einmal um die richtige Impedanz. Aber schon nach zwei Scheiben ist völlig klar, dass die sensiblen WhiteLight Monitor an der Vier-Ohm-Übertrageranzapfung vollmundiger, räumlicher und packender musizieren als an der Acht-Ohm-Wicklung. De Paravicinis Monos verwöhnen jetzt mit jeder Menge Groove, Farbenpracht und Sinnlichkeit. Diese Amps haben einfach Charakter. Sie umgeben die Musik mit ihrem ganz speziellen Flair.

Anders als viele andere High-End-Boliden verzichten sie nonchalant aufs allerfeinste Detail, streben nicht nach grenzenloser Akribie. Der musikalische Fluss einer Darbietung ist es doch in allererster Linie, worauf es ankommt, scheinen die Verstärker dem Zuhörer beständig zu suggerieren. Wer wollte da widersprechen? Ich jedenfalls nicht, denn so genussvoll, entspannt und dennoch so emotional ansprechend wie de Paravicinis Kreationen hat mir keine andere Vor-/Endstufenkombi selbst wohlbekannte und eigentlich schon viel zu oft für Tests missbrauchte Scheiben nahe gebracht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: 312 und M100A unterschlagen selbstverständlich keinerlei Information. Sie rücken sie nur nicht so stark ins Bewusstsein des Zuhörers, wie dies beispielsweise die Brinkmann-Kombi tut. Die de Paravicinis setzen bei der Reproduktion von Musik einfach etwas andere Schwerpunkte als die Mehrzahl der transistorisierten High-End-Kollegen. Aber gerade das macht sie ja - neben allen technischen Besonderheiten - zu absoluten Ausnahmeerscheinungen!



Paravicini 312

Kurzkritik:

Charakter pur: dramatische Optik, schwelgerischer Wohlklang, mitreißender Musikfluss - und einer der besten Phono-Entzerrer inklusive



Paravicini M100A

Kurzkritik:


Class-A-Giganten mit Ausgangsübertragern und einem Klang, der an allerbeste Röhren erinnert - das kann nur von Paravicini sein...



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Salzburger Nachrichten am 27. Januar, 2001 - Bereich: Wochenende


Der mit den Noten tanzt

Der italienische Baron Tim de Paravicini baut mit seiner britischen Firma die Transistorvorstufe für Röhrenfans

Für Ry Cooder hat er Lautsprecher gebaut und in vielen prominenten Studios in aller Welt schwören Toningenieure auf seine Elektronik. Seit 30 Jahren gilt Tim de Paravicini als Koryphäe für Röhrenverstärker, die noch dazu in erschwinglichen Preisklassen zu haben sind.

TONART
EXKLUSIVTEST


Jetzt ist der italienische Baron mit Firmensitz in Huntingdon, Großbritannien, fremd gegangen. Mit seinem jüngsten Vorverstärker "Paravicini 312 Control Center" geht der Chef von E.A.R. (Esoteric Audio Research) direkt auf die ganz großen Namen los. Er verlässt dabei sowohl den Pfad der Röhrentechnik als auch seine Tiefpreispolitik. Ein Vorverstärker, der sich mit einer Mark Levinson Nr. 32, einem Audio Research Reference 2 oder einer Jeff Rowland Coherence messen will, muss nicht nur in dieser Qualitätsklasse spielen; er darf nach High-End-Maßstäben auch im Preis über 200.000 S liegen.

Johannes Frick, rühriger Röhrenfan und Paravicini-Experte in Vorarlberg, kann sich über mangelndes Interesse oder schleppenden Absatz dieses ausgefallenen Stücks Elektronik nicht beklagen. Die SN nahmen die Einladung zum Ohrenschmaus gerne an und wurden nicht enttäuscht: Es gab Musik von schwebender Leichtigkeit zu hören, als würden die Töne einen Reigen aufführen. Der Paravicini-Verstärker nimmt sich jede einzelne Note vor und lässt sie tanzen.

Schon bevor Patricia Barber auf ihrer Live-Aufnahme "Companion" den ersten Ton anschlägt, taucht der Hörer in die livehaftige Atmosphäre des "Green Mill"-Clubs in Chicago ein. Wenn die Hammondorgel losgroovt, stellt sich unmittelbar dieses Gefühl ein, dass Paravicini das Beste aus beiden Welten vereint hat: die Leuchtkraft, das Temperament und die Musikalität der Röhren und die Kontrolle, die Neutralität und die präzise Detailauflösung der Transistoren.

Geigen präsentiert die Elektronik von Paravicini, in allen Stimmlagen, Farben und Intensitäten - vom sanftesten Zupfen bis zur kratzbürstigen Fidelei. Auffallend ist die gute Ortbarkeit einzelner Instrumente oder Instrumentengruppen, die aber immer ins Ganze der Musik eingeordnet bleiben.

In der Philips-Einspielung der Missa Criolla ist bei Jose` Carreras sogar noch in der Kopfstimme ein deutliches Tremolo zu hören. Bei der Panflöte hat jedes einzelne Pfeiferl seine eigene Farbigkeit. Bei den festen und straffen Paukenschlägen ist mit dem Fell auch der metallisch schwingende Körper des ganzen Instruments vernehmbar.

Tim de Paravicini hat mit der neuen Vorstufe ein Statement abgegeben. Besonders erfreulich bleibt dabei, dass es ungebremste Dynamik und pralle Klangfarben bei E.A.R. auch in unvergleichlich günstigeren Preiskategorien gibt. Der Röhrenvollverstärker 834 bekam 1999 den Golden Ear Award der US-Zeitschrift The Absolute Sound. Paravicini findet in allen seinen Geräten einen Mittelweg zwischen schmeichlerischer Röhre und analytischem Transistor.

JOB
Fricco Referenz Audio, 0 55 22/44 6 41, http://www.fricco.com; http://www.ear-yoshino.com


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Image Hifi 19 / 1998 zum E.A.R. 834 P:

Ernsthafte Kritik ? - Nein, es sei denn, man hat etwas gegen Homogenität, Energie und Dynamik. Gegen pralle Klangfarben, ein sattes Fundament, Raum und Kraft im Überfluss. Und gegen einen eigenständigen, liebenswerten Klangcharakter.

Ken Kessler in Hifi & Records 9/88:

Der V 20 ist der Mühe Wert (einen effizienten Lautsprecher zu finden) weil ich glaube, daß wir hier Zeuge von Tim de Paravicinis feinster Arbeit sind. Und das beängstigt mich, wenn man berücksichtigt, daß sogar seine Disaster besser sind als die Triumphe der meisten anderen Entwickler.

Hifi & Records 3/00 zum E.A.R. 864:

Fazit: Tim de Paravicini hat mit dem EAR 864 einen High-End-Vorverstärker erster Güte auf die Beine gestellt. Er bietet alle Anschlußmöglichkeiten, die man so braucht, einschließlich eines exzellenten Phonoteils, und darüber hinaus je einen symmetrischen Ein- und Ausgang. Wer Musik als Ganzes begreift, sollte sich diese Vorstufe unbedingt anhören. Hinstellen, anschließen, einschalten und auf sehr hohem Niveau Musik genießen - so wünscht man sich eine Vorstufe, und deshalb verdient der EAR 864 eine nachdrückliche Empfehlung.


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